Grußwort von Präsident Puschmann anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Caritasverbandes für Berlin e.V. am 10. März 2001 in Berlin
Sehr geehrter Herr Kardinal,
sehr geehrter Herr Professor Meyer,
sehr geehrter Herr Pfarrer Beißel,
sehr geehrter Herr Bünner,
sehr geehrte Damen und Herren,
wie es sich für Grußworte gehört, sollten sie kurz und knapp sein, damit sich alle gerne an den Gruß erinnern und nicht im Groll die Herzen verschließen. Gerne möchte ich mich an diese gute Gepflogenheit halten und dem Caritasverband für Berlin e.V. alles erdenklich Gute sowie Gottes reichen Segen zum 100jährigen Jubiläum wünschen. Meinen damit verbundenen Dank für 100 Jahre Dienst am Menschen möchte ich bewußt an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie an alle Verantwortlichen richten, die sich täglich den Herausforderungen der kirchlichen Sozialarbeit in der größten Stadt Deutschlands stellen und sie, wie ich meine, in herausragender Weise meistern.
Gestatten Sie mir, an dieser Stelle ein paar Gedanken einzufügen. Die Begrüßungsansprache von Caritasdirektor Hubert Pohl aus Anlaß des 75jährigen Bestehens des Caritasverbandes für Berlin am 24. März 1976 endet mit einer Behauptung und einem Wunsch. Ich zitiere: "(...) Der Caritasverband (...) ist (...) ein Instrument der Nothilfe aus dem Geist der frohen Botschaft!" Und weiter sagt Pohl: "Dass diese Aussage auch beim 100-jährigen Jubiläum des Verbandes noch stimmen möge, ist mein Wunsch für die nächsten 25 Jahre."
Heute begehen wir das 100jährige Jubiläum und dürfen uns deshalb fragen: Stimmt die von Hubert Pohl aufgestellte Behauptung noch? Ich möchte einen Schritt zurückgehen und gleichzeitig einen Blick nach vorne richten. Die Geschichte des Caritasverbandes für Berlin e.V., auf die sicherlich an anderer Stelle noch näher eingegangen wird, ist, nicht nur, aber auch und gerade durch die Teilung der beiden deutschen Staaten bedingt, eine sehr wechselvolle und spannende. Stets barg die Tatsache, als Caritas und somit auch als Kirche für die Menschen in Berlin tätig sein zu wollen, die latente und stets vorhandene Gefahr, im Getriebe der Politik zerrieben zu werden. Ich durfte das ja über einige Jahre hinweg hautnah selbst miterleben. Und dennoch hat sich der Verband - während der Jahre der Teilung - und seit 1989 dann in jedem Falle, sein innere Einheit bewahrt. Er konnte dies, weil es für ihn, ganz fromm und sehr pastoral gesagt, einen Anhaltspunkt für die Motivation seiner Arbeit gab und gibt, die nicht in der Alltagspolitik verortet ist. Ich meine damit die Grundlage jeder Caritasarbeit, wie sie uns vom Evangelium her durchscheint.
Ein Blick nach vorne wird aber auch mit ebenso großer Deutlichkeit zeigen müssen, dass die Herausforderungen und Veränderungen, denen sich die Caritas derzeit stellen muß und auch künftig wird stellen müssen, nicht immer für die notwendige Ruhe und Beständigkeit sorgen wird. Aber wir stehen nicht hilflos davor; mit Hilfe unserer Erfahrungen können wir hier einen guten Beitrag leisten; egal ob es dabei um die planerische Gestaltung der Hilfeleistungen oder um die wirtschaftliche Ausrichtung verschiedener Dienste geht. Immer das Wohl des uns sich anvertrauenden Menschen im Auge werden wir uns nicht auf dem falschen Altar der allgemeinen Sprach- und Hilflosigkeit opfern lassen. Im Gegenteil: wir sollten wachsam begleiten, welche Neuerungen sinnvoll sind und welche nicht. Die Funktion der Caritas als Anwalt Benachteiligter funktioniert nicht ohne die Ausrichtung hin auf eine soziale Dienstleistungsorientierung; aber, der umgekehrte Weg ist auch keine Einbahnstraße. Mit seinen Einrichtungen und Diensten stellt der Caritasverband für Berlin e.V. bereits seit Jahrzehnten eine Institution dar, deren Beitrag für die aktive Gestaltung des Sozialstaates und des Gemeinwesens "Stadt Berlin" unverzichtbar und unersetzlich ist. Dies ist der Verband aber nicht aus sich heraus; diese Bewertung ist zurückzuführen auf das Engagement und den Einsatz vieler hundert Frauen und Männer, die täglich an der Basis ihren Dienst versehen. Ein solches "Da-sein" ist gelebter Gottesdienst und Verwirklichung des Auftrags Jesu. Verehrter Herr Kardinal, ich gehe davon aus, dass sie mir in dieser Einschätzung zustimmen und gemeinsam mit uns allen die Caritas stets in hohen Ehren halten.
Deswegen meine ich auch, dass die Aussage von Hubert Pohl auch beim 100jährigen noch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat. Blicken wir einfach voller Erwartung auf das 125er Jubiläum und schauen, was sich geändert hat.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen in diesem Sinne nochmals alles Gute!
